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Spastische Spinalparalyse

Spastische Spinalparalysen sind eine Gruppe hereditärer degenerativer Erkrankungen des ersten Motoneurons, die zu einer schleichend progredienten Gangstörung durch eine Spastik und Schwäche der Beine führen.

HSP-Netzwerk (GeNeMove)

Zur Erforschung seltener Erkrankungen fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung das „German Network of hereditary Movement disorders GeNeMove(www.genemove.de)“, in dessen Rahmen das Forschungsnetzwerk für Hereditäre Spastische Spinalparalysen (HSP) in Tübingen koordiniert wird. Hauptziele sind die Entwicklung von Standards für die Diagnostik und differentialdiagnostische Abklärung sowie die electrophysiologische und kernspintomographische Charakterisierung einer HSP. Im Rahmen des Netzwerk wurde ein Score für die Ermittlung der Schwere einer HSP entwickelt und validiert, der jetzt in einer Verlaufsstudie als Maß für das Fortschreiten der Erkrankung evaluiert wird. Zusätzlich werden elektrophysiologische Parameter und quantitative Maße für die spinale Atrophie auf ihre Eignung als Progressionsmarker für zukünftige Therapiestudien untersucht.

Genetik der hereditären spastischen Spinalparalysen (HSP)

Trotz ihrer Seltenheit – die Prävalenz der HSP wird auf 0.5–1:100.000 geschätzt – ist die HSP keine einheitliche Erkrankung sondern teilt sich in mindestens 32 genetisch definierte Subtypen auf (s. Tabelle Genetik der HSP). Für viele Familien mit spastischen Spinalparalysen ist das verantwortliche Gen noch nicht identifiziert. Für Familien mit dominant vererbter HSP untersuchen wir mittels Haplotypanalysen alle 11 bekannten Genloci und führen in geeigneten Großfamilien Genomscans durch. Jüngst konnten wir eine erste deutsche SPG10-Familie identifizieren, die eine neue Mutation im KIF5a trägt, einem essentiellen Motorprotein für den anterograden axonalen Transport.
Die SPG11 ist eine autosomal rezessiv vererbte Form der HSP, die klinisch durch ein dünnes Corpus callosum charakterisiert ist. In Kooperation mit dem Institut für Medizinische Genetik in Tübingen (Prof. Rieß) und der Neurologischen Universitätsklinik Regensburg (Prof. Winkler) suchen wir in einem Kandidatengenansatz nach dem verantwortlichen Gen für die SPG11.

Abbildung 3: Kraniale MRI bei SPG11: Der midsagitale Schnitt zeigt die ausgeprägte Atrophie des Corpus callosum insbesondere in den ventralen Anteilen.

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