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Faktenblatt Schlaganfall

Schlaganfallforschung und Behandlung in Tübingen

Der Schlaganfall ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Er steht nach dem Herzinfarkt und den Tumorerkrankungen an dritter Stelle bei den Todesursachen und an erster Stelle als Grund für schwerwiegende Behinderung. In Deutschland erleiden pro Jahr 120.000 bis 150.000 Menschen einen Schlaganfall. Allein in der Region Tübingen in Baden-Württemberg zählt man jährlich 1.500 bis 2.000 Schlaganfälle.

Für die optimale Versorgung dieser Patienten wurde im Herbst 2007 die Schlaganfall-Intensivstation des Zentrums für Neurologie am Universitätsklinikum Tübingen erweitert und umstrukturiert. Ziel der Station ist ein schneller Zugang zu Therapien (wie zum Beispiel zur Lysetherapie), die in der Frühphase den Schlaganfall verhindern oder abschwächen und damit Lebensqualität erhalten können. In enger Zusammenarbeit mit den Abteilungen für Neuroradiologie und Neurochirurgie können diese Behandlungen schnell eingeleitet und wirksam durchgeführt werden. Denn beim Schlaganfall gilt: je schneller reagiert wird, desto mehr Hirngewebe kann gerettet werden. Nach der Akutphase hilft das interdisziplinäre Team der Schlaganfallstation - bestehend aus speziell geschulten Ärzten, Pflegepersonal und Therapeuten -, Komplikationen zu verhindern bzw. vorzubeugen.

Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf der Klärung der Schlaganfallursache, denn nur so können weitere Schlaganfälle verhindert werden. Hierfür stehen moderne diagnostische Geräte und Einrichtungen auf der Schlaganfall-Intensivstation zur Verfügung. Unterstützt wird das neurologische Ärzteteam der Station durch den Kardiologen Dr. J. Erharhaghen. Er klärt und behandelt Störungen des Herzens, die häufig Ursache für Schlaganfälle sind.

Die am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) angesiedelte wissenschaftliche Arbeit zur Aufklärung der Grundlagen höherer Hirnleistungen des Menschen und ihrer Störungen ist notwendig, um Patientenversorgung und Ursachenforschung bei Schlaganfällen zukunftsorientiert zu ergänzen.

Das Tübinger Schlaganfallkonzept: Akutbehandlung und Rehabilitation aus einer Hand

Normalerweise folgt nach der Akutphase eine Rehabilitationsbehandlung. Oft werden die Patienten hierfür in Rehabilitationskliniken verlegt. Diese Verlegung und die Konfrontation mit einem anderen Team, das womöglich gegenteilige Aussagen macht, kann zu Verunsicherungen beim Patienten und bei den Angehörigen führen. Der Therapieerfolg wird auf diese Weise nicht selten beeinträchtigt.

In Tübingen bietet das Zentrum für Neurologie eine kombinierte Schlaganfallakut- und Rehabilitationsbehandlung. Die Patienten werden von einem Team aus Ärzten und Therapeuten versorgt. Zudem schafft diese Verzahnung einen schnelleren Zugang zur Rehabilitation schon auf der Schlaganfallstation. Die dort begonnen Therapien können später fortgesetzt werden.

Moderne Rehab-Methoden

Moderne Rehabilitationsverfahren können helfen, die Fähigkeit des Gehirns zur Kompensation und zur Umstrukturierung zu nutzen, um nach einem Schlaganfall verlorene Funktionen wiederherzustellen. Therapien, die Bewegungsmuster wiederholen, in Einzelteile zerlegen oder rhythmisch und beidhändig trainieren, sind hierbei besonders wirksam.

In Tübingen werden solche Therapien in klinischen Studien entwickelt und optimiert. Bevor sie im Routineverfahren eingesetzt werden, müssen sie ihre Wirksamkeit auch gegenüber bestehenden Standardverfahren beweisen.

Zudem werden am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) in Tiermodellen für Lernen und Erholung, die Grundlagen für neuartige Schlaganfall-Therapien erarbeitet.

Das Tübinger Modell

Das neuartige Konzept des Zentrums für Neurologie in Tübingen führt neurowissenschaftliche Forschung am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) und klinische Versorgung an der Neurologischen Universitätsklinik auf bundesweit einzigartige Weise zusammen. Dies gilt nicht nur für Behandlung und Erforschung von Schlaganfällen, sondern auch für die Bereiche Alzheimer, Parkinson, Hirntumore oder für Entzündungen des Nervensystems.

 

Pressekontakt:

Silke Jakobi
Leiterin Kommunikation
HIH Hertie-Institut für klinische Hirnforschung
Zentrum für Neurologie, Universitätsklinikum Tübingen
Otfried-Müller-Str. 27
72076 Tübingen
Tel. 07071/29-88800
Fax 07071/29-4796
silke.jakobi(at)medizin.uni-tuebingen.de