Über uns

Vorstände und Geschäftsführung des Hertie-Instituts: (v. l. n. r.) Prof. Hans-Peter-Thier, Prof. Mathias Jucker, Prof. Thomas Gasser; Dr. Astrid Proksch, Prof. Holger Lerche, Prof. Ulf Ziemann

Allgemeines

 

Das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) bildet gemeinsam mit der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Tübingen das „Zentrum für Neurologie". Das Zentrum wurde mit dem im Jahre 2001 unterzeichneten Vertrag zwischen der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung und dem Land Baden-Württemberg, der Universität Tübingen und ihrer medizinischen Fakultät sowie dem Universitätsklinikum Tübingen geschaffen. Die zugrundeliegende Bündelung öffentlicher Ressourcen und privater Stiftermittel ist deutschlandweit einzigartig.

Die Aufgabe des Zentrums besteht einerseits in der Krankenversorgung durch die Neurologische Klinik und andererseits in der wissenschaftlichen Arbeit der am HIH versammelten Neurowissenschaftler. Durch die strukturelle Verflechtung des HIH mit der Neurologischen Klinik wurde eine multifunktionelle Einrichtung geschaffen, die gleichermaßen klinische Hirnforschung, medizinische Behandlung und wissenschaftliche Ausbildung leistet. In der engen Verknüpfung von Forschungsexzellenz und Anwendungspraxis liegt ein Alleinstellungsmerkmal des HIH gegenüber anderen Einrichtungen der Hirnforschung.

Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung hat seit Gründung des HIH rund 30 Millionen Euro in das Institut investiert. Die Mittel kommen zugleich einem Reformprojekt zugute: Anstelle der sonst üblichen hierarchischen und partikularistischen Struktur mit isolierten Abteilungen wurde in Tübingen eine interdisziplinäre Organisationsstruktur mit der Bündelung von Ressourcen umgesetzt. Die Mittelvergabe zwischen den verschiedenen Arbeitsbereichen ist flexibel gestaltet. Ein besonderes Anliegen ist die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Jungen Wissenschaftlern wird eine frühe Verselbständigung in Kleingruppen und eine leistungsorientierte Besoldung ermöglicht.

Das HIH arbeitet eng mit anderen Institutionen und Forschungsgruppen in Tübingen zusammen. Als Teil des seit 2008 durch Bund und Länder geförderten Exzellenz-Clusters „Werner Reichardt Zentrum für Integrative Neurowissenschaften" (CIN) trägt es erfolgreich zu dessen disziplinenübergreifendem Konzept bei. Im Rahmen einer engen Kooperation des HIH mit dem Partnerstandort Tübingen des im Juni 2009 in Bonn gegründeten Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen e. V. (DZNE) sollen unter Nutzung modernster Technologien und Ressourcen neue Strategien der Diagnostik, Prävention und Therapie neurodegenerativer Erkrankungen des alternden menschlichen Gehirns, vor allem Parkinson und Alzheimer, entwickelt werden.

Am HIH sind derzeit 36 Arbeitsgruppen eingerichtet. 18 Professoren und 350 Mitarbeiter sorgen für einen reibungslosen Ablauf von klinischer Forschung, Behandlungs- und Ausbildungsarbeit.

Arbeitsschwerpunkte

 

Das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung umfasst derzeit die folgenden fünf Abteilungen, wovon die ersten vier an der klinischen Versorgung beteiligt sind: 

  • Neurologie mit Schwerpunkt neurovaskuläre Erkrankungen und Neuroonkologie (Leitung: Prof. Dr. Ulf Ziemann)
  • Neurologie mit Schwerpunkt Epileptologie (Leitung: Prof. Dr. Holger Lerche) 
  • Neurologie mit Schwerpunkt neurodegenerative Erkrankungen 
    (Leitung: Prof. Dr. Thomas Gasser)
  • Kognitive Neurologie (Leitung: Prof. Dr. Hans-Peter Thier)
  • Zellbiologie neurologischer Erkrankungen (Leitung: Prof. Dr. Mathias Jucker). 

 

Die Abteilung Neurologie mit Schwerpunkt neurovaskuläre Erkrankungen und Neuroonkologie besitzt ihre Schwerpunkte in der neurovaskulären Medizin (Gefäßerkrankungen des Gehirns, Schlaganfälle), der Neuroonkologie (Hirntumore, Hirnmetastasen), der Neuroimmunologie (z.B. Multiple Sklerose) und der Neurointensivmedizin. Die Abteilung verfügt zur Diagnostik und Therapie dieser Patientengruppen über eine zertifizierte Schlaganfallstation, eine Schwerpunktstation für neuroonkologische und neuroimmunologische Patienten, und eine neurologische Intensivstation in Planung. Zudem bestehen Schwerpunktambulanzen. Die Schwerpunkte der Forschung beschäftigen sich mit Neuroprotektion (Hypothermie, Hyperoxygenierung) beim akuten Schlaganfall, Reorganisation von Netzwerken des Gehirns nach Schlaganfall durch nicht-invasive Hirnstimulation zur Unterstützung der Rehabilitation von Motorik und Sprache, und Therapieforschung bei Hirntumoren (Tumorinitiierung, virale und zellbasierte Therapien).

Die Abteilung Neurologie mit Schwerpunkt Epileptologie befasst sich vor allem mit Epilepsien und anderen anfallsartigen neurologischen Erkrankungen. Bei diesen Krankheiten kommt es durch angeborene (genetische) oder erworbene Defekte zu einer meist vorübergehenden Veränderung der Erregbarkeit von Nervenzellen. Daraus resultieren neurologische Störungen, die plötzlich auftreten, für Sekunden bis Stunden anhalten und dann wieder verschwinden, wenn der Defekt entsprechend kompensiert werden kann. Patienten mit solchen Erkrankungen zeigen zwischen den Anfällen oft ein völlig normales Verhalten. Die molekulare und zelluläre Forschung konzentriert sich auf die genetischen Ursachen von Epilepsien sowie auf die Mechanismen, durch die Genmutationen Epilepsien auslösen können. Hier spielen Veränderungen von Ionenkanälen die wichtigste Rolle, die auch für die Behandlung dieser Krankheiten wesentliche Zielstrukturen darstellen. Die klinische Forschung befasst sich v.a. mit der Bildgebung des Gehirns bei anfallsartigen Erkrankungen. 

Die Abteilung für Neurologie mit Schwerpunkt neurodegenerative Erkrankungen verfügt über rund 20 Betten und konzentriert sich in ihrem klinischen Bereich auf neurodegenerative Erkrankungen wie Morbus Parkinson, Ataxien, spastische Spinalparalysen und Demenzen - Krankheiten, bei denen durch fortschreitenden Verlust von Nervenzellen im Gehirn Steuerungsfunktionen geschwächt werden oder verloren gehen - sowie auf andere Bewegungsstörungen wie Dystonie und Tremor. Im Bereich der Forschung geht es darum, jenen genetischen Faktoren auf die Spur zu kommen, die für die Entstehung degenerativer Erkrankungen des Nervensystems verantwortlich sind. Bestimmt werden sollen insbesondere die Gene, die für die Entstehung von Bewegungs- und Koordinationsstörungen (wie sie beispielsweise bei Parkinson auftreten) verantwortlich sind. Aufgedeckt werden sollen außerdem die molekularen Mechanismen, die zur Erkrankung führen. Die genetische Ursachenforschung am HIH hat das Ziel, neue therapeutische Strategien zu entwickeln und auch klinisch zu erproben. 

Die Abteilung für Kognitive Neurologie stellt in ihrem klinischen Bereich die beratende und ambulante neuropsychologische Versorgung sicher. Ein weiterer klinischer Schwerpunkt ist die Behandlung von Schwindelerkrankungen im interdisziplinären „Südwestdeutschen Schwindelzentrum”, das zusammen mit der HNO-Klinik betrieben wird. Im Zentrum der Forschungsaktivitäten der Abteilung steht die Frage, wie das menschliche Gehirn unsere Wahrnehmung, unsere Vorstellungskraft, unser Urteilsvermögen und unsere Lernfähigkeit ermöglicht. Durch ein besseres Verständnis dieser höheren Hirnleistungen des Menschen sollen auch deren durch Erkrankungen des zentralen Nervensystems hervorgerufene Störungen besser erfasst und behandelt werden. Weitere Forschungsschwerpunkte sind das Verständnis der visuellen Wahrnehmung, die Integration des Sehens mit anderen Sinnesmodalitäten sowie die neuronalen Grundlagen des motorischen Lernens, das dem Menschen eine Optimierung seiner Bewegungsabläufe ermöglicht. Die Abteilung ist an verschiedenen Drittmittel-geförderten Projekten beteiligt, darunter die von der DFG geförderte Forschergruppe 1847 ‚Primate Systems Neuroscience’.

Der Fokus der Abteilung für Zellbiologie Neurologischer Erkrankungen liegt auf den zellulären und molekularen Mechanismen von Hirnalterung und altersbedingten neurodegenerativer Erkrankungen. Hierbei konzentriert sich die Forschung insbesondere auf die Pathogenese der Alzheimer-Erkrankung und anderer zerebraler Amyloidosen. Allein in Deutschland sind mehr als eine Million Menschen von der Alzheimer-Krankheit betroffen. Die Grundlagenforschung der Abteilung lieferte bahnbrechende Erkenntnisse, unter anderem, dass viele altersbedingte neurodegenerative Erkrankungen durch einen prionenähnlichen Mechanismus ausgelöst werden. Besonders bemerkenswert ist auch das Bestreben der Abteilung diese Forschungsergebnisse in klinische Studien zu übertragen. Hierfür wurde in Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie die Sektion für Demenzforschung aufgebaut, die auch eine Gedächtnissprechstunde anbietet.

Modellhafte Verbindung von Forschung und Krankenversorgung

Wissenschaftsrat würdigt Leistungsfähigkeit und wissenschaftliche Exzellenz des Hertie-Instituts für klinische Hirnforschung. Die Empfehlung des Wissenschaftsrats ist eine hervorragende Voraussetzung für die Weiterentwicklung des HIH.

Pressemitteilung des Wissenschaftsrats

Pressemitteilung des HIH